Karl Pätzold wollte schon in jungen Jahren immer mal Theater spielen. Irgendwie hat es nie gepasst. Heute ist er 70 und spielt Bolke, den Bären und in einer zweiten Rolle den Herold der bösen Königin in Schneewittchen und die 7 Zwerge. Fühlt er sich dafür nicht doch zu alt? Andererseits, gehört es nicht zu den eigensten Aufgaben von Großvätern Märchen zu erzählen? Und er wird es mit dieser Truppe nach der Premiere am kommenden Sonntag im gelben Theater Die Blechbüchse in Zinnowitz weiterhin in Kindergärten in Wolgast und auf der Insel tun. Bei der 15-jährigen Cristin Windjäger, die den flippigen Hoffriseur spielt, entwickelt sich die Schauspielerei langsam zum Berufswunsch.
Die Hotelfachfrau aus dem Ostsee-Hotel in Ahlbeck, Nicole Maschke, hat einfach Spaß am Spiel. Dann ist das noch der künstlerische Leiter des Anklamer Fritz-Reuter-Ensembles, Torsten Wiedemann, der sozusagen künstlerisch in Wolgast fremd geht, die Studentin der Kriminologie aus Greifswald, der Besitzer der Zoohandlung Mante aus Wolgast und viele andere, die bei besagtem Schneewittchen ihrem Spieltrieb nachgehen.
Den Namen gab sich die Wolgaster Amateur-Truppe 2007. Bei Liebe, Leid und Schwedengold, dem Open-Air zum Wolgaster Stadtjubiläum hatten viele Akteure sozusagen Theater-Blut geleckt. Es sollte unbedingt weitergehen mit dem Spielen auf der Bühne und die Vorpommersche Landesbühne versprach Unterstützung. Eine Inszenierung brachten sie bereits in der Wolgaster Sporthalle zu Wege.
Nun geht's also auf die Bühne im Gelben Theater Die Blechbüchse - übrigens in reizenden Kostümen aus dem Anklamer Theaterfundus.
Ganz neu in der Truppe ist Erwin Bröderbauer, bekannt als giftiger Bösewicht aus Vineta und vielen anderen Theaterrollen. Er übernahm die Truppe vor vier Monaten als künstlerischer Leiter und führt Regie. Zwei Aufgaben, die für ihn Premiere sind, und entsprechend nervös ist der Schauspiel-Routinier. Er brachte auch Schneewittchen ins Spiel. Warum diese Truppe ein Kindermärchen wählte, ist schnell erklärt: Das ist doch auch die Geschichte einer WG - sieben Jungs und ein Mädchen und zweitens gibt es für alle Ensemblemitglieder etwas zu tun. Und selbst Zweitbesetzungen sind kein Problem. Profi Bröderbauer lernte schnell, dass der Geburtstag der Oma bei Amateuren selbstverständlich einer Theaterprobe vorgezogen wird. Und es gab viele Omas. Trotzdem verlor er den Spaß nicht, im Gegenteil. Nicole Windjäger beschreibt den Regisseur als ausgesprochen witzig. Ihr gefiel, dass er viel ausprobiert hat und immer wieder die Szenen selbst vor spielte. Wir haben viel gelacht, trotzdem war's kreativ, sagt sie. Selbst bei der Fotoprobe noch: Der Schneewittchen erlösende Prinz soll der Geliebten die Hand küssen. Das versucht er etwa aus einem Meter Entfernung. Bröderbauer führt - mit der Bemerkung sie hat sich die Hände gewaschen die beiden Schüchternen zusammen, sie müssen lachen. Bis Sonntag wird da womöglich noch ein echtes Liebespaar draus.
Martina Krüger / OZ 08.04.2010
Weitere Informationen finden Sie im Veranstaltungskalender.