Als einen besonderen musikalischen Genuss kündigte Gisela Kretschmer, Vorsitzende des Wolgaster Kulturvereins, das Klavierduo Anna und Ines Walachowski am Freitagabend an. Damit hatte sie den mehr als 60 Konzertgästen im Kornspeicher nicht zu viel versprochen. Die beiden Schwestern aus Breslau boten Musik für vier Hände auf erstaunlich vollkommene Weise. Wer das Programm mit geschlossenen Augen genoss, konnte leicht dem Eindruck verfallen, nur eine Pianistin zu hören, so exzellent abgestimmt war das Spiel.
Auch das Programm der Walachowski-Schwestern trug zum gelungenen Konzertabend in Wolgast bei. Die beiden starteten, wie könnte es im Chopin-Jahr 2010 anders sein, mit dem Werk des weltbeliebten polnischen Komponisten Thema und Variationen über ein Lied von Moore. Unaufdringlich, beinahe bescheiden, beeindruckten die Pianistinnen allzeit durch ihr perfektes, freies Zusammenspiel die Zuhörer.Als etwas Besonderes fielen die sechs Kontratänze von Stanislaw Moniuszko (1819-1872) auf. Der polnische Komponist, vor allem für seine Volkslieder bekannt, wird auch als Vater der polnischen Oper (Halka) bezeichnet. Seinen Gesellschaftstänzen für Klavier zur vier Händen hört man die Folklore an - eingängige Melodien mit virtuosen sowie
gefühlvollen Momenten. Dann standen Moritz Moszkowski und wieder Chopin auf dem Programmzettel. Nach der Pause folgte ein Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn-Bartholdy, bearbeitet für die Interpretation auf einem Klavier für vier Hände.
Angefangen habe alles damit, dass Mendelssohn-Bartholdy im Freudeskreis mit verteilten Rollen Shakespeare las. Wie er seiner Schwester Fanny 1826 schrieb, schmiedete er begeisterte Pläne, einen midsummernight's dream zu träumen. Außer der Ouvertüre ist von dieser anfänglichen Begeisterung nichts geblieben. Erst 1843 vollendete Mendelssohn - im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. und mittlerweile zum Leipziger Gewandhausleiter avanciert - seine berühmte Schauspielmusik. Für ein Klavierduo wie Anna und Ines Walachowski ist die Musik zur Shakespeare-Komödie sicherlich ein Muss im Reportoire. Und wieder begegnete den Konzertbesuchern diese ungekünstelte Leichtigkeit und stilistische Glaubwürdigkeit statt exzentrischer Pianistik.
Begeisterter Beifall brauste nach zwei Stunden wunderbarer Klaviermusik durch den Kornspeicher. Das Publikum erklatschte sich eine Zugabe und erhielt eine Kostprobe aus Brahms ungarischen Tänzen.
Illa Klein / Usedom-Kurier 19.04.2010
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