Sándor Márai, Dezember
„Dieser Monat ist das Fest. Als würden ständig die Glocken geläutet, weit weg, hinter den Schleiern aus Nebel und Schnee. In unserer Kindheit haben wir schon am ersten Tag dieses Monats mit blauen und grünen Farbstiften einen Christbaum mit einunddreißig Ästchen auf einen Bogen Papier gezeichnet. Klopfenden Herzens wurde jeder Morgen markiert, gleichsam ein Ast dieses symbolischen Baumes abgeknickt. So näherten wir uns dem Fest. Die Aufregung des Wartens wurde auf diese Art fast ins Unerträgliche gesteigert. Gegen Mitte des Monats, als das Ereignis immer näher rückte, hatte ich abends schon regelmäßig Temperatur und erzählte
dem Kindermädchen fiebrig-stotternd von meinen Wünschen. Was ich nicht alles wollte! Eine Dampfeisenbahn und eine Schaffnerzange zum Fahrkartenzwicken, ein richtiges Theater mit Logen, Schauspielerinnen und Rampenlicht, ja sicher auch mit Kritikern und mit den Näherinnen, die bei der Generalprobe dabei sein dürfen und dann schlecht über das Stück reden."
Nun dann - wir haben sie, die Schauspielerinnen und Schauspieler, und die Näherinnen reden gut über unsere Stücke. Sie und Ihre Kinder nehmen wir gern mit auf unseren Stadtspaziergang durch märchenhafte Geschichten und durch die Wolgaster Altstadt oder auch durch den Wolgaster Tierpark - alljährlich in der Vorweihnachtszeit.